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Gender und eEducation: Inhalt



Die Ringvorlesung thematisiert aus unterschiedlichen Perspektiven Wechselwirkungen digitaler Medien mit der (Re- bzw. Neu-)Konstruktion von Geschlechterrollen und –identitäten. Im Rahmen der Ringvorlesung wird versucht, jene Ebenen aufzuzeigen, auf denen „Gender“ im Kontext von „eEducation“ eine Rolle spielt.

Der Begriff „eEducation“ soll nicht nur die Trennung von Lehren-Lernen relativieren und „Bildung“ als einen offenen, dynamischen, aus traditionellen Institutionen hinausführenden Prozess umreißen; eEducation verweist über ein didaktisches Arrangement hinaus auch auf die kulturellen und sozialen Dimensionen von Bildungs- und Emanzipationsprozessen bzw. Disziplinierungs- und Exklusionsmechanismen im Zuge medialer Transformationen. In diesem Kontext geht es auch um die Problematisierung jener Topoi, die mit dem Begriff „eLearning“ in Verbindung gebracht werden. Allzu oft wird hiermit eine bloß quantitative Effizienzsteigerung eines „Unterrichts für Massen“ oder eine „Lernflexibilisierung“ identifiziert; dies läuft freilich Gefahr, geschlechterspezifische, binäre Stereotypen vielmehr fort- und festzuschreiben bzw. neu zu generieren (indem beispielsweise das „Lernen zu Hause“ als besonders kompatibel mit häuslichen Pflichten dargestellt wird), anstatt diese aufzubrechen.

Das damit kurz umrissene Feld von eEducation und Gender ist ein weites. Es betrifft u.a.  Prozesse und Mechanismen der Technikentwicklung; hierbei geht es nicht bloß um gesellschaftliche Praxen, die in Technikentwicklung einfließen, die wiederum soziale Räume und Praxen generiert. Digitale Virtualität beinhaltet auch die (harte) Realität neuer technologisch-ökonomisch induzierter Strukturen des (IT-) Arbeitsmarktes, der vielfach geschlechtsspezifische Ungleichheiten (re-)produziert.

Digitale Welten bilden gleichzeitig neue Räume der Sozialisierung und geschlechtlicher Repräsentationspolitiken. Die Eroberung dieser oft als „deterritorial“ beschriebenen Räume ging und geht einher mit Visionen, Utopien, ja Heilserwartungen unterschiedlichster Provenienz, die sich nun einerseits zu entmythologisieren scheinen, nicht zuletzt dadurch, dass die Dot-com-Branche bereits einige Hochs- und Tiefs erlebt hat. Andererseits flackern große Hoffnungen auf Demokratisierung und Dezentrierung (von Wissen, von Identitäten) immer wieder auf. Jüngst beispielsweise in diversen Texten zu Web 2.0, Wikis und Weblogs als „social software“. Erweiterte Handlungsspielräume für neue, fluide Subjekts- und Identitätsbestimmungen schienen mit der Digitalisierung in greifbarer Nähe, die nun wieder Gefahr laufen, sich essentialistisch zu rebiologisieren.

Medien codieren Identitäten und Konzepte von Körperlichkeit, Geist und Emotionalität. Simulationssoftware, Avatare, Robotik und Anwendungen von „Künstlicher Intelligenz“ fußen nicht nur auf bestimmten – vielfach eurozentristischen und binären – Menschenbildern, sondern generieren diese auch mit.

Die Thematisierung von digitalen Repräsentationen von „Wirklichkeiten“ führt zu Fragen, die am Ende der Ringvorlesung stehen: Was bedeutet nun „gendersensible Mediendidaktik“, „gendergerechte eEducation“? Lässt sich diese entlang von listenförmigen Guidelines top down verordnen? Diese gehen von der Farbgestaltung bis hin zur Annahme der Notwendigkeit „intuitiver“ Benutzeroberflächen. Ein anderer Ansatz würde eher davon ausgehen, auf „Gendermarker“ weitgehend zu verzichten, dafür aber eine ausgeglichene Organisation der Lernsituation in den Mittelpunkt zu rücken.


Jakob Krameritsch, 23.02.07, 20:42 | Comments (0) | TrackBacks (0)

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Zeit: 15. März 2007 - 21. Juni 2007: Beginn jeweils 14°°
Ort: Sitzungssaal der Akademie der bildenden Künste
Delta 3 - ein eStrategie-Projekt der Technischen Universität Wien, Universität für Bodenkultur Wien und Akademie der bildenden Künste Wien, Wien (2005 - 2007) unterstützt aus Mitteln des bm:bwk im Rahmen der Ausschreibung e-Learning / e-Teaching-Strategien an Universitäten und Fachhochschulen